Umgangsformen - die Etikette

Obwohl sich Thailand von Jahr zu Jahr westlicher gibt und internationale Höflichkeitsformeln akzeptiert und praktiziert werden, sollte man doch einige wichtige Verhaltensweisen beachten. 
Neben dem Respekt gegenüber dem Königshaus steht das korrekte Verhalten im Tempel ganz oben. Vor dem Betreten müssen die Schuhe ausgezogen werden. Die Kleidung sollte knie- und schulterbedeckend sein. Das Klettern auf Buddhastatuen ist ebenso unerwünscht wie ausgestreckte Füsse in Richtung der Buddhastatuen. Zeigen Sie generell nie mit ihren Füßen auf Menschen; dies gilt als besonders unhöflich. Im Kopf sitzt die Seele des Menschen, daher sollten Sie nie einen Thai am Kopf berühren!  

Allgegenwärtig ist der thailändische Gruss, der sogenannte Wai. Es wird von einem Ausländer nicht erwartet, ihn zu erwidern, zumal es nicht so einfach ist, diesen Gruss richtig auszuführen. Ein leichtes Kopfnicken mit einem Lächeln wird korrekter empfunden als irgendeine Verrenkung, die eventuell als Verunglimpfung verstanden werden könnte.

Es gibt Redewendungen, die unverwechselbar die thailändische Mentalität widerspiegeln und nur schwer auf europäische Denkweisen zu übertragen sind. Um das Wesen der Thais zu begreifen, sollte man die Bedeutung einiger dieser Redewendungen kennen. MAI PEN RAI heißt „Macht nichts“ und wird z.B. immer dann verwendet, wenn man einem Problem aus dem Weg gehen möchte. MAI PEN RAI ist jedoch weit mehr als eine Floskel: Der Ausdruck bezeichnet einen Gemütszustand, fast schon eine buddhistische Weisheit, nämlich das Abschütteln des Unwesentlichen, des Vergänglichen. MAI PEN RAI ist ein essentieller Aspekt der entspannten Atmosphäre in Thailand und macht das Leben angenehm und leicht. Man ist fähig, Probleme hinzunehmen, statt Tränen zu vergiessen, und man lacht lieber. Diese Charaktereigenschaft ist unbedingt zur Nachahmung empfohlen.

Thais reden sich grundsätzlich mit dem Vornahmen an. Wundern Sie sich also nicht, wenn ihre Hotelreservation nicht gleich zu finden ist, vielleicht sind Sie unter Peter oder Monika eingetragen. Unter Freunden nennen sich die Thais beim Spitznamen, mit phantasievollen Worten wie z.B. Schwarz, Rot, Nummer 1, Schweinchen, Krabbe oder Dick. 

Die Thais stellen auch gerne persönliche Fragen, die Ausländern oft indiskret erscheinen. Wenn Sie also gefragt werden, wieviel Sie verdienen, so ist das nicht als Unhöflichkeit, sondern als aufrichtige Anteilnahme zu verstehen. Eine typische Antwort wäre: „Weiss ich selbst nicht“ oder „nicht genug“.
Die öffentliche Zurschaustellung von Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau gilt als äußerst unschicklich. Wundern Sie sich jedoch nicht, oder denken Sie nicht in falsche Richtungen, wenn Sie zwei Mädchen oder Jungen Hand in Hand flanieren sehen - MAI PEN RAI. 

Die Thais leben gerne in Grossfamilien, wobei verschiedene Generationen Problemlos unter einem Dach leben, was dazu führt, dass man früh lernt, respektvoll miteinander umzugehen. Eine diesbezüglich typische Charaktereigenschaft ist das GRENG JAI  (auf den anderen Rücksicht nehmen, Zurückhaltung zeigen, keine Ansprüche stellen). GRENG JAI bedeutet jedoch auch, nicht gleich „nein“ zu sagen, wenn der Gegenüber eine positive Antwort erwartet, um ihn nicht zu enttäuschen.

Ausländern, denen solch ein Umgang natürlicherweise fremd ist, wird deshalb viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Allgemein kann man in Thailand sagen „ ein Lächeln öffnet jede Tür“! Lächeln Sie also so oft als möglich und Sie werden überall beliebt sein.